Online-Diskussionsforen sind in der Netzgemeinde sehr beliebt. Sie bieten Internetbenutzerinnen und -benutzern eine Plattform für unkomplizierte und zwanglose „Plaudereien“. Täglich entstehen neue Onlineforen; einige haben inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad.
Nebst technisch orientierten Foren sind insbesondere Diskussionsforen von Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen oder anderen Informationsstellen häufig frequentierte virtuelle Orte des Austauschs. Gerade bei solchen Foren ist indessen ein vorsichtiger Umgang mit Personendaten angezeigt. Dies soll das folgende Beispiel deutlich machen. Der Name „Milla Meier“ ist dabei frei erfunden, nicht aber der Fall.
Ein Posting mit Folgen...
Im Diskussionsforum einer Suchtinformationsseite erkundigt sich die Benutzerin Milla Meier, wie lange man Heroin nach dem Konsum im Urin ihres Mannes nachweisen könne. Das Posting ist gezeichnet mit „Milla Meier, milla.meier@firma_x.ch“. Dieselbe Milla Meier trägt sich auch im Online-Gästebuch einer Freundin ein, wobei sie einen Link auf ihre Homepage www.millaswelt.ch öffentlich macht. Dort finden sich verschiedene Informationen zu Milla, aber auch zu ihrem Mann (z. B. sein Name oder ein Hochzeitsbild der beiden).
Inzwischen hat Millas Mann möglicherweise erfolgreich eine Entzugstherapie gemacht und konsumiert seit Jahren keine Drogen mehr. Weder Milla noch er haben sich je wieder in diesem Onlineforum zu Wort gemeldet, und in der Zwischenzeit ist der Beitrag mit der Frage nach dem Heroinnachweis längst von der Übersichtsseite des Forums verschwunden.
Nicht aber aus der Welt. Auch drei Jahre nach Absetzen des Beitrags im Diskussionsforum erscheint der Link zu jener Anfrage im Suchtinformationsforum bei der Google-Suche nach „milla meier“ an zweiter (!) Stelle der Resultate. Und Gründe, um nach „milla meier“ zu suchen, gibt es viele: Eine ehemalige Schulkameradin oder frühere Arbeitskollegin, die Milla kontaktieren möchte; ein entfernter Verwandter, der wissen möchte, was aus ihr geworden ist; eine potentielle Arbeitgeberin, die Informationen zur Bewerberin Milla Meier sucht; ein Angestellter der Bank, bei der das Ehepaar Meier einen Kredit beantragt hat. Diese Personen erfahren ohne Mühe von der Drogenvergangenheit von Millas Ehemann. Die negativen Folgen lassen sich erahnen.
Das Beispiel zeigt, wie aus einer durchaus sinnvollen Einrichtung – dem Diskussionsforum einer Suchtinformationsstelle – eine Falle werden kann. War Milla einfach leichtsinnig? Vielleicht. Aber wie sie werden auch zahlreiche andere Forenteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht viele Gedanken daran verschwenden, welche Konsequenzen die Veröffentlichung solch „harmloser“ Daten wie Name und E-Mail-Adresse haben kann. Wie kann man sich vor Unannehmlichkeiten schützen?
... und wie Sie sie vermeiden
Meist muss man sich für die Teilnahme an einem Onlineforum registrieren und einen Account anlegen. Benutzen Sie ein Pseudonym und achten Sie darauf, dass es keine Rückschlüsse auf Ihren Namen erlaubt. Sorgen Sie dafür, dass Ihre E-Mail-Adresse nicht veröffentlicht wird; in vielen Onlineforen kann diese Option gewählt werden. Wenn Sie aus irgendeinem Grund dennoch eine E-Mail-Adresse veröffentlichen wollen, legen Sie eigens zu diesem Zweck eine an. Seien Sie in jedem Fall vorsichtig bei der Bekanntgabe der Adressen. Möchten Sie, dass ein Beitrag von Ihnen aus einem Diskussionsforum entfernt oder anonymisiert wird, wenden Sie sich an die Forenbetreiber.
Falls Sie selber ein Diskussionsforum betreiben, denken Sie daran, dass auch Sie Verantwortung dafür tragen, was in Ihrem Forum publiziert wird. Sollten Sie feststellen, dass Teilnehmende unbedacht Dinge publik machen, deren Bekanntgabe ihre eigene Persönlichkeit verletzen könnte, treffen Sie Vorkehrungen, um dies zu verhindern (Sperren oder Anonymisieren der fraglichen Postings). Dies gilt insbesondere dann, wenn in Ihrem Forum Themen behandelt werden, die besonders schützenswerte Daten betreffen.
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