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"Spam“ im Briefkasten oder: das Ärgernis Adresshandel

Ein Dauerbrenner unter den Datenschutzthemen ist der Handel mit Adressen und Personendaten zu Marketingzwecken. Dass dieser Handel bestens floriert, zeigt die Menge an unerwünschten Werbesendungen und -anrufen, die für viele Bürgerinnen und Bürger zur Belästigung werden können. Das Datenschutzgesetz verbietet zwar den Adresshandel nicht, setzt ihm jedoch Grenzen und gibt den Betroffenen bestimmte Rechte.

Viele von uns haben schon Werbebriefe oder -anrufe erhalten von Firmen, mit denen wir vorher noch keine Geschäfte getätigt hatten. Was zu einem veritablen Ärgernis werden kann, ist gesetzlich zwar reguliert, aber nicht generell verboten. Zunächst bestimmt das Datenschutzgesetz (DSG), dass jegliche Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen, Personendaten sind. Jeglicher Umgang mit diesen Daten, insbesondere das Beschaffen, Aufbewahren, Verwenden oder Bekannt geben, stellt eine Datenbearbeitung dar. Sammelt eine Firma oder Organisation Personendaten über potenzielle Kundinnen und Kunden, so darf sie das laut DSG nur nach bestimmten Grundsätzen tun: Sie darf die Daten nur rechtmässig beschaffen, nach Treu und Glauben und nur zu dem Zweck bearbeiten, der bei der Beschaffung angegeben wurde. Ins-besondere dürfen die so erlangten Personendaten nicht ohne Einwilligung der Betroffenen an Dritte weitergegeben werden. Betroffene Personen können sowohl Auskunft über die sie betreffenden Daten als auch deren Berichtigung oder Vernichtung verlangen.

Spärliche Bekanntgabe …

Zentral ist jedoch, dass jede Bürgerin und jeder Bürger selber stets sorgfältig mit den eigenen Daten umgeht. Dies bedeutet, sowohl Adresse als auch andere persönliche Daten nur sparsam bekannt zu geben. Wettbewerbe und Gewinnspiele sind bspw. oft verdeckte Datenerhebungen mit kommerziellem Hintergrund. Häufig werden Datenerhebungen auch als Umfragen getarnt, mittels denen möglichst genaue Informationen über Alter, Beruf, Konsumverhalten, Interessen und anderes erhoben werden. Solche Erhebungen sind keinesfalls wissenschaftlicher Natur und dürfen getrost direkt im Altpapier entsorgt werden. Möchten Sie trotzdem daran teilnehmen, achten Sie darauf, dass transparent Auskunft erteilt wird über die Firma, die dahinter steht, über die weitere Verwendung Ihrer Per-sonendaten und den Zweck der jeweiligen Verwendung. Diese Angaben sind in der Regel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den AGB, zu finden.
Besondere Vorsicht ist bei telefonischen Umfragen geboten: Hier kommt den Anrufenden der Überraschungseffekt zu Hilfe. Auch hier gilt: Die Teilnahme ist freiwillig und sollte gut überlegt sein. Seriöse Marktforschungsinstitute geben sich und ihre Auftraggeber in der Regel transparent zu erkennen. Der Anrufende muss Ihnen also zunächst Auskunft geben über die Firma, in deren Auftrag er handelt, seinen eigenen Namen, den Zweck der Umfrage und die Verwendung (u.a. die Weitergabe an Dritte) der erlangten Daten. Wenn Sie kein Vertrauen fassen, beantworten Sie keine Fragen. Nehmen Sie an der Umfrage teil, seien Sie besonders vorsichtig bei der Bekanntgabe von Personendaten über andere Mitglieder Ihres Haushalts – gerade über erwachsene Mitbewohner dürfen Sie ohne Rücksprache keine Informationen verlauten lassen.

… und Sperrung der eigenen Daten

Es gibt aber auch verschiedene Wege, die Verwendung der eigenen Adresse zu Werbezwecken zu verbieten. Hier müssen Sie aktiv werden, ansonsten sind diese Angaben öffentlich zugänglich und können zu Werbezwecken verwendet werden. Zum einen können Sie die eigene Adresse im Verzeichnis der Swisscom Directories AG mit einem Stern versehen – per Formular im Telefonbuch, per Internet oder Telefon (0848 86 80 86, 8 Rp./Min.). Zum anderen können Sie die Adresse beim Schweizerischen Di-rektmarketingverband SDV sperren lassen, indem sie auf die Robinsonliste gesetzt wird (SDV-Robinsonliste, Riedstrasse 1, Postfach, 6343 Rotkreuz). Vermerken Sie zudem jedes Mal, wenn Sie Ihre Adresse bei Wettbewerben, Bestellungen, Spenden oder für Kundenkarten bekannt geben, dass Sie die Verwendung Ihrer Adresse zu Werbezwecken untersagen.
Weiter können Sie Auskunfts- bzw. Löschungsbegehren an Adresshan-delsfirmen stellen – der EDSB vereinfacht dieses Vorgehen, indem er entsprechende Musterbriefe auf seiner Website zur Verfügung stellt. Eine Anzahl der betreffenden Firmen finden Sie auf der Webseite des SDV unter. Sie erhalten einen detaillierten Auszug der über Sie bearbeiteten Personendaten – dazu gehören Berufsgruppe, Funktionsstufe und Einkommensklasse ebenso wie Lifestyledaten, Wohnungstyp, Haushaltsgrösse, Fahrzeugklasse und weitere Einzelheiten.
All diese Mittel sind jedoch allenfalls dazu geeignet, die Flut der Werbesendungen einzudämmen – ganz unterbunden werden kann sie in Zeiten des Direktmarketings wohl nicht.
Weitere Hinweise finden Sie in den entsprechenden Merkblättern des EDSB.
Zurück zur Übersicht 01/2006

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