Der Einsatz von digitalen Stromzählern

Mit dem neuen Stromversorgungsgesetz wird der Elektrizitätsmarkt seit 1. Januar 2008 schrittweise dereguliert. Zusammen mit den verschiedenen alternativen Energieträgern macht das eine neue Verbrauchserfassung notwendig. Digitale Zähler, so genannte «Smart Meter», können sehr viele Daten speichern, was aus Sicht des Datenschutzes Risiken für die Privatsphäre birgt.

Diese Erläuterungen zeigen die wesentlichen Datenschutzrisiken beim Einsatz von elektronischen Energiezählern, auch «Smart Meter» genannt, auf und geben Empfehlungen aus der Sicht des Datenschutzes.

Liberalisierung des Strommarktes und erneuerbare Energien

Am 1. Januar 2008 trat das Stromversorgungsgesetz in Kraft. Es legt fest, dass der staatlich regulierte Markt etappenweise geöffnet wird. In einem ersten Schritt konnten Grossverbraucher mit einem jährlichen Stromverbrauch von über 100 Megawattstunden in den freien Markt eintreten. Rund 50'000 Unternehmen haben seit 2009 die Möglichkeit, ihren Stromlieferanten frei zu wählen. Dies bedeutet nicht zuletzt eine grosse Umstellung für die rund 900 Elektrizitätsversorgungsunternehmen in der Schweiz. In einem weiteren Schritt sollen ab 2014 auch kleine Firmen und Haushalte den Zutritt zum freien Markt erhalten. Somit können die Stromkunden in der Schweiz zukünftig frei entscheiden, woher sie ihren Strom beziehen möchten. Allerdings untersteht diese zweite Öffnungsetappe, wie bereits die erste, auch dem fakultativen Referendum.

Mit dieser Öffnung verbunden ist die Trennung von Netz und Energie. Das bedeutet, dass der Stromkunde in Zukunft einen Netzbetreiber und einen Stromanbieter hat; ersteren kann er nicht wählen, letzteren kann er selber bestimmen.

Weiter schafft der wachsende Anteil von Strom aus alternativen Energieträgern (Sonnen- und Windenergie) im Stromnetz einen erhöhten Steuerungsbedarf bezüglich Einspeisung und Verbrauch von Energie. Im Gegensatz zur Stromgewinnung aus Sonnen- und Windenergie lässt sich die Stromproduktion mit herkömmlichen Kraftwerken (Kernenergie, Kohle, Öl, Gas) relativ einfach steuern. Der Ausgleich der Lastschwankungen erfolgt durch die Regulierung der Leistung herkömmlicher Kraftwerke, durch den Einsatz von Wasserkraftwerken (Pumpspeicherkraftwerke) sowie durch den Stromhandel.

Zur Planung der Energiebereitstellung und des Angebots von kostengünstigen Tarifen bedarf es einer genauen Verbrauchsprognose, da kurzfristig auftretende Über- und Unterkapazitäten für die Stromlieferanten teuer sind. Dazu benötigen die Energielieferanten detaillierte Informationen über den Energieverbrauch der Haushalte. Im Interesse einer gleichmässigeren und effizienteren Auslastung des Stromnetzes ist in Zukunft sogar denkbar, leistungsstarke Haushaltsgeräte abhängig von der Netzauslastung zu steuern. So könnten bspw. die Kühlintervalle von Gefrier- und Kühlschränken oder das Aufladen von Energiespeichern in Fahrzeugen auf Perioden mit geringer Netzauslastung verschoben werden.

Bisherige Energieverbrauchserfassung und technische Anforderungen an neue Energiezähler

Bislang wurde der Stromverbrauch mit elektromechanischen Stromzählern gemessen, welche in Eintarif- und Doppeltarifzähler unterschieden werden. Der Eintarifzähler hat ein einziges Zählwerk und summiert den gesamten verbrauchten Strom auf. Liefert das Elektrizitätswerk Strom zu Hoch- und Niedertarifen, werden Doppeltarifzähler verwendet, welche den Verbrauch im Hochtarif (vorwiegend tagsüber) und im Niedertarif separat erfassen. Die Auslesung erfolgt halbjährlich oder jährlich direkt vor Ort.

Mit der Trennung von Netzbetreiber und Energielieferant müssen die Energiezähler individuell umgeschaltet werden können, da die verschiedenen Lieferanten ihre Tarife nach Angebot und Nachfrage ausrichten. Dazu werden digitale Zähler benötigt, welche den Energieverbrauch in verschiedenen Intervallen erheben können. Weiter bieten die digitalen Energiezähler die Möglichkeit der Fernauslesung, d.h. zukünftig können Energiezähler zu jedem beliebigen Zeitpunkt ausgelesen werden, ohne dass jemand physisch vor Ort sein muss. Dies ermöglicht eine flexible und kostengünstigere Auslesung.

Neben diesen Anforderungen wird den Kunden, je nach Netzbetreiber und Energielieferant, zusätzlich via Internet oder Wohnungsterminal Zugriff auf seine aktuellen und vergangenen Verbrauchsdaten angeboten. Dies soll den Energieverbrauch aufzeigen und zu dessen Reduktion führen.

Risiken aus der Sicht des Datenschutzes

Die intelligenten Energiezähler können den gesamten und den aktuellen Energieverbrauch sowie die Nutzungszeit anzeigen. Je nach Konfiguration des Gerätes werden die Lastprofile eines Haushaltes mehr oder weniger detailliert ausfallen. Ein solches Lastprofil entsteht durch die viertelstündliche Aufzeichnung des Energieverbrauches (35'000 Messpunkte pro Jahr) und wird bis zur Auslesung oder Überschreibung im Gerät gespeichert.

Aufgrund der technischen Ausgestaltung der digitalen Energiezähler ist es grundsätzlich möglich, neben den abrechnungsrelevanten Daten auch ein Energienutzungsprofil des Haushaltes bzw. des Unternehmens zu erheben. Diese detaillierteren Daten können für den Kunden wichtige Informationen über den Energieverbrauch und die damit zusammenhängenden Einsparungsmöglichkeiten enthalten, jedoch auch Informationen über Geschäftstätigkeiten, Produktionsprozesse, persönliche Aktivitäten, Tagesablauf, Krankheiten etc. Eine automatische Weitergabe dieser detaillierten Informationen an den Energielieferanten bzw. den Netzbetreiber ist jedoch aus der Sicht des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten nicht notwendig. Bedarfsprognosen können auch auf der Basis von anonymisierten Daten erstellt werden, die über mehrere Haushalte zusammengefasst werden.

Massnahmen

Grundsätzlich müssen bei der Sammlung von nicht abrechnungsrelevanten Nutzungsdaten, also bei der Erstellung des detaillierten Lastprofils eines Haushaltes, die Datenschutzgrundsätze beachtet werden. Das bedeutet, dass sowohl bei der Information der Betroffenen als auch bei der Ausgestaltung des Systems insbesondere auf Verhältnismässigkeit, Datensicherheit, Erkennbarkeit der Bearbeitung und des Zweckes geachtet wird. Im Zusammenhang mit Smart Grid bedeutet das folgendes:

Die Verhältnismässigkeit verlangt, dass nicht mehr Personendaten erhoben werden, als für den Bearbeitungszweck notwendig sind. Der Bearbeitungszweck muss bei der Beschaffung der Daten, bspw. in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, angegeben werden, darf jedoch nicht derart allgemein formuliert sein, dass im Prinzip jede Art der Bearbeitung darunter verstanden werden könnte. Es gilt also, von vornherein festzulegen, zu welchem Zweck die Daten verwendet werden, und eine entsprechende Selektion der dazu unbedingt notwendigen Daten vorzunehmen. Damit wird vermieden, dass alle möglichen Informationen auf Vorrat gesammelt werden.

Die Datensicherheit muss den ganzen Datenlebenszyklus von der Generierung im Smart Meter bis zur Löschung beim Energielieferanten respektive Netzbetreiber umfassen. Dabei sind nicht nur die ordentliche Erhebung der verbrauchten Energie und die Datenspeicherung gemeint, sondern auch die verschiedenen Übertragungsmöglichkeiten (Terminal in der Wohnung, Übertragung an den Netzbetreiber/Energielieferanten).

Bei einem Outsourcing der Datenbearbeitung an Dritte müssen überdies die allgemeinen Vorschriften gemäss Art. 10a DSG beachtet werden.

Empfehlungen des EDÖB

  • Umfassende und verständliche Information der betroffenen Personen über die Datenbearbeitung (insb. Zweck der Bearbeitung, aber auch allfällige Weitergabe an Dritte), beispielsweise in den AGB.
  • Zur Erstellung von Bedarfsprognosen Erhebung von über mehrere Haushalte zusammengefassten oder anonymisierten Daten anstelle von detaillierten Lastprofilen, die den einzelnen Haushalten zugeordnet werden können.
  • Kein Zugriff auf Echtzeitdaten durch den Netzbetreiber bzw. den Energielieferanten.
  • Zugriffskontrolle und Protokollierung der Auslesung des Energieverbrauchs/Lastprofils aus den Energiezählern.
  • Zugriffskontrolle und Protokollierung im Falle der Speicherung von Lastprofilen bei Energielieferanten bzw. Netzbetreiber.
  • Verschlüsselte Übertragung sowohl im Haus als auch an den Energielieferanten bzw. Netzbetreiber.
  • Schutz vor Verlust, Diebstahl, unerlaubtem Zugriff, Bekanntgabe, Verwendung oder Modifizierung der Daten.
  • Zustimmung der Betroffenen zur Weitergabe oder Auswertung von haushaltsbezogenen Lastprofilen.

Weitere Informationen

Smart Meter und Smart Grid - Intelligente Energiemessung, ULD, Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein

The Smart Grid and Privacy, Electronic Privacy Information Center EPIC

Opinion 12/2011 on smart metering, Article 29 data protection working party (EU)

Bundesamt für Energie (insb. Studie Datenschutz und -sicherheit von Smart Grids)

 

(Stand: April 2011)

https://www.edoeb.admin.ch/content/edoeb/de/home/datenschutz/technologien/der-einsatz-von-digitalen-stromzaehlern.html