Wirtschaftliche Nutzung von Personentrackingsystemen

Immer häufiger werden Personentrackingsysteme dazu eingesetzt, Kundenverhalten zu analysieren und so Verkaufsräume, Produktepaletten oder Dienstleistungsangebote zu optimieren. Wir haben daher in diesem Jahr einige dieser Systeme analysiert und einige Risiken für die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen festgestellt.

Wer das Verhalten seiner Kundinnen und Kunden kennt, kann daraus geldwerte Vorteile ziehen. So können die Standorte von Werbeflächen optimiert, das Sortiment angepasst oder gar personalisierte Werbung versendet werden. Immer mehr Unternehmen wollen diese Vorteile nutzen und setzen zu diesem Zweck Systeme ein, welche Personen automatisiert beobachten und deren Verhalten analysieren. Die von uns geprüften Systeme erfassen Personen, die einen bestimmten Raum (z. B. ein Einkaufszentrum) betreten und verfolgen deren Weg innerhalb dieses Raums.

Einige Systeme setzten dabei auf biometrische Daten (Gesichtserkennung), so dass unbestrittenermassen Personendaten bearbeitet werden. Sie bieten in der Regel die zusätzliche Möglichkeit, die erfassten Personen z.B. nach Alter, Geschlecht oder ethnischer Herkunft zu kategorisieren. Die Risiken einer Persönlichkeitsverletzung liegen auf der Hand, weshalb hier dem Datenschutz besondere Beachtung geschenkt werden muss (vgl. hierzu auch unseren Leitfaden zu biometrischen Erkennungssystemen).

Andere Systeme nutzen dagegen die von Mobiltelefonen ausgesendeten Signale und zeichnen den Weg jedes sich im fraglichen Raum befindlichen Geräts auf. Auch wenn hier auf den ersten Blick keine Personendaten erhoben werden (so können z.B. die TMSI- oder die IMSI-Nummern von Mobilfunkgeräten von den Systembetreibern keiner bestimmten Person direkt zugeordnet werden), kann ein Personenbezug in einigen Fällen relativ einfach auf indirektem Weg hergestellt werden: Aufgrund des entstehenden Bewegungsprofils ist es unter Umständen möglich, das ursprünglich unpersönliche Profil einer bestimmten Person zuzuordnen.

So unterscheiden sich z.B. die Bewegungsprofile von Mitarbeitenden in einem Geschäft in der Regel klar von denjenigen der Kundschaft, und bei einer kleinen Belegschaft kann das Mitarbeiterprofil leicht einem bestimmten Mitarbeitenden zugeordnet werden. Auch durch die Verknüpfung mit weiteren Daten (z.B. den Aufnahmen von Überwachungskameras) können ursprünglich unpersönliche Bewegungsprofile personalisiert werden. Daher muss auch bei diesen Systemen davon ausgegangen werden, dass Personendaten bearbeitet werden und somit die allgemeinen Bearbeitungsgrundsätze des Datenschutzgesetzes einzuhalten sind.

Dies bedeutet in erster Linie, dass für die Datenbearbeitung ein Rechtfertigungsgrund vorliegen muss. Beim Betrieb solcher Systeme könnte dies ein überwiegendes Interesse oder die Einwilligung der betroffenen Personen sein:

  • Ein überwiegendes Interesse ist anzunehmen, wenn solche Systeme z.B. zur Verbesserung der Sicherheit von Flughafen- oder Bahnhofsgebäuden eingesetzt werden. Ein überwiegendes Interesse liegt auch vor, wenn die Systeme zu nicht personenbezogenen Zwecken, also z.B. zu einer rein statistischen Auswertung von Kundenfrequenzen, eingesetzt werden, und in den Analyseergebnissen keine Personen erkennbar sind.
  • Nicht durch ein überwiegendes Interesse gerechtfertigt sind hingegen personenbezogene Analysen zu Marketingzwecken. Die Datenbearbeitung muss in diesem Fall durch die Einwilligung der betroffenen Personen gerechtfertigt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Einwilligung stets freiwillig zu erfolgen hat, die betroffene Personen also die Möglichkeit haben muss, sich in einem von einem Trackingsystem überwachten Gebäude aufzuhalten, ohne davon erfasst zu werden. Dies konkret umzusetzen, kann sich je nach Ausgestaltung des Systems als sehr schwierig erweisen.

Gänzlich ausgeschlossen ist der Einsatz solcher Systeme, um das Verhalten von Mitarbeitenden zu überwachen. Dies wäre gesetzeswidrig und könnte auch mit der Einwilligung der betroffenen Mitarbeitenden nicht gerechtfertigt werden.

Genaueres zum Thema kann in den Erläuterungen auf dieser Website nachgelesen werden.

https://www.edoeb.admin.ch/content/edoeb/de/home/dokumentation/taetigkeitsberichte/21--taetigkeitsbericht-2013-2014/wirtschaftliche-nutzung-von-personentrackingsystemen.html