Neunter Datenschutztag

Zum neunten internationalen Datenschutztag vom 28. Januar 2015 haben wir eine Podiumsdiskussion über die Datenschutzproblematik von Gesundheitsapps und sensorgesteuerten Accessoires zur Vermessung von Körperfunktionen (Wearables) organisiert. Wir stellten ein grosses Interesse an der Thematik fest.

Die technologischen Innovationen im Gesundheitsbereich eröffnen neue Möglichkeiten für die medizinische Forschung und verändern die Gesellschaft nachhaltig. Mit dem zunehmenden Trend zur Selbstvermessung des eigenen Körpers (Quantified Self) steigt die Menge an Gesundheitsdaten exponentiell, und die kommerziellen Interessen an diesen Daten sind vielfältig. Die Gefahr des unbefugten Zugriffs auf teilweise hochsensible Informationen nimmt somit zu. In einem Podiumsgespräch mit Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung konnte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür verschiedene Aspekte kritisch beleuchten und das Bewusstsein für Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung ins Zentrum der Debatte stellen. Der Anlass fand im Berner Generationenhaus statt.

In einer angeregten Diskussion beleuchtete die Expertenrunde das Thema Gesundheitsapps und Wearables facettenreich und hinterfragte es kritisch. Obschon die Vertreter aus Forschung und Wirtschaft der digitalen Selbstvermessung grundsätzlich positiv gegenüber stehen und darin Vorteile für den Menschen als Patienten sehen, sind sie sich des Gefahrenpotenzials im Umgang mit Gesundheitsdaten bewusst. Hanspeter Thür betonte, dass der Datenschutz bereits in der Entwicklungsphase neuer Technologien berücksichtigt werden sollte (Privacy by design) und fordert datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Privacy by default). Auf der politischen Ebene steht deshalb eine Verschärfung des Datenschutzgesetzes an. Die Schweiz müsse ihre Vorbildfunktion im Bereich Datenschutz behalten und dürfe gegenüber der EU nicht ins Hintertreffen gelangen, weil dies auch negative Folgen für die Schweizer Wirtschaft mit sich bringen würde.

Die abschliessende Diskussionsrunde unter Einbezug des Publikums ging auch auf ethische Aspekte im Umgang mit Gesundheitsdaten ein und schnitt dabei die thematisch verwandten Bereiche eHealth und Big Data an.

https://www.edoeb.admin.ch/content/edoeb/de/home/dokumentation/taetigkeitsberichte/22--taetigkeitsbericht-2014-2015/neunter-datenschutztag.html