Referenzauskünfte im Bewerbungsprozess

Viele Anrufe an unseren telefonischen Beratungsdienst zum Thema Referenzauskünfte im Bewerbungsprozess haben gezeigt, dass teilweise Unwissen darüber herrscht, welche Rechte der Bewerber diesbezüglich hat und wie er sich gegen unerlaubt erteilte oder nicht wahrheitsgemässe Referenzen wehren kann.

Vermehrt haben wir im Berichtsjahr Anfragen zum Einholen von Referenzauskünften bei ehemaligen Arbeitgebern erhalten. Wir haben den betroffenen Bewerbern mitgeteilt, dass in solchen Fällen die Grundprinzipien des Datenschutzgesetzes (DSG) einzuhalten sind. Sowohl das Einholen wie auch das Erteilen einer Referenz haben rechtmässig sowie nach Treu und Glauben zu erfolgen und müssen verhältnismässig sein, d.h. es dürfen nur diejenigen Informationen über den Bewerber weitergegeben bzw. eingeholt werden, die für das zukünftige Arbeitsverhältnis relevant oder zur Durchführung des Arbeitsvertrages erforderlich sind.

Beim Einholen oder Erteilen einer Referenz werden wesentliche Züge der Persönlichkeit des Bewerbers beurteilt. Gemäss DSG handelt es sich hierbei um Persönlichkeitsprofile. Damit solche Daten überhaupt bearbeitet werden dürfen, ist die vorgängige und ausdrückliche Einwilligung erforderlich. Diese Einwilligung kann somit nicht einfach angenommen werden, wenn der Arbeitnehmer beispielsweise die früheren Arbeitgeber in seinem Lebenslauf auflistet. Befinden sich in den Bewerbungsunterlagen jedoch unter dem Titel «Referenzen» Angaben zu einem ehemaligen Arbeitgeber oder einem ehemaligen Vorgesetzen, darf dies als Einwilligung bzw. Zustimmung zum Einholen von Referenzen gewertet werden.

Der ehemalige Arbeitgeber der um Referenz gebeten wird, muss sich - bevor er Auskunft gibt - vergewissern, dass der Bewerber die Zustimmung dazu erteilt hat. Dies muss nicht zwingend durch eine direkte Nachfrage beim Bewerber selbst erfolgen, sondern kann auch dadurch bestätigt werden, dass der ehemalige Arbeitgeber Einsicht in die vom Bewerber eingereichte Referenzliste erhält. Der Bewerber hat ein Recht darauf, vom ehemaligen Arbeitgeber, den er als Referenzperson angegeben hat, zu erfahren, ob und an wen Auskunft erteilt wurde und was ihr Inhalt war.

Erteilt ein ehemaliger Arbeitgeber Referenz, ohne dass der Bewerber eingewilligt hat verletzt er damit die Persönlichkeit des Bewerbers widerrechtlich. Der betroffene Bewerber kann diese Verletzung bzw. die ungerechtfertigte Bearbeitung seiner Personendaten gemäss Artikel 15 DSG einklagen. Der betroffene Bewerber hat zudem die Möglichkeit gemäss Artikel 35 DSG strafrechtlich gegen den ehemaligen Arbeitgeber vorzugehen, wenn dieser ohne Einwilligung des Bewerbers geheime, besonders schützenswerte Personendaten oder Persönlichkeitsprofile bekannt gegeben hat.

Grundsätzlich dient die Referenz dazu, den durch das Arbeitszeugnis vermittelten Eindruck zu vertiefen. Es gilt deshalb auch hier wie beim Zeugnis der Grundsatz, dass eine Referenz sachlich, wahrheitsgetreu und zugleich wohlwollend sein muss. Eine Referenz darf genauso wie ein Zeugnis das wirtschaftliche Fortkommen des ehemaligen Arbeitnehmers nicht behindern und auch nicht gegen die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu schützen, verstossen. Diese Fürsorgepflicht gilt nicht nur während des Arbeitsverhältnisses sondern begrenzt auch über die Anstellungszeit hinaus. Erteilt der ehemalige Arbeitgeber eine Referenz, die zwar bewilligt, deren Inhalt aber unwahr ist und dazu geführt hat, dass der Bewerber die Stelle aufgrund genau dieser Referenz nicht erhalten hat, hat der ehemalige Arbeitgeber seine arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht verletzt. In diesem Fall kann der betroffene Bewerber nicht nur die Verletzung seiner Persönlichkeit, sondern auch allfälligen Schaden und immaterielle Unbill geltend machen.

Konkret kann der betroffene Bewerber die unwahre und nachteilige Referenzauskunft, die seine Persönlichkeit verletzt hat, mittels Zivilklage gerichtlich verbieten lassen. Ist ihm ein konkreter Schaden durch die Falschaussage seines ehemaligen Arbeitgebers entstanden, hat er namentlich eine Stelle aufgrund der unwahren und nachteiligen Referenz nicht erhalten, kann er zudem Schadenersatz und Genugtuung einfordern. Dies bedingt aber einen direkten Zusammenhang zwischen der unwahren Referenz und der Entscheidung des potentiellen neuen Arbeitgebers. Dieser Nachweis dürfte jedoch in der Realität nicht einfach zu erbringen sein. Betroffenen Bewerbern wird deshalb empfohlen, sich rechtlich beraten zu lassen, bevor sie den Rechtsweg gegen einen ehemaligen Arbeitgeber beschreiten.

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