Vorwort

Das herankommende 21. Jahrhundert ist von der weltweiten elektronischen Kommunikation gekennzeichnet. Der Datenschutz steht vor einer Entwicklung, die zum Teil bereits Wirklichkeit ist.

Die Zahl und der Umfang von Datensammlungen steigt stetig und führt zu verschiedenen Datenschutzproblemen, die angesichts der Vorteile die Datensammlungen bieten nicht für jedermann auf den ersten Blick erkennbar sind. Tatsache ist, dass die Benutzung der neuen Technologien mehr Datenspuren hinterlässt. Jeder muss deshalb wissen, dass wenn er seine Daten einfach frei gibt, Dritten die Möglichkeit gibt, umfassende Verhaltens-, Bewegungs- Konsum-, oder Gewohnheitsprofile über ihn zu erstellen. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass ein falsches Bild über seine Persönlichkeit entsteht. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil von Informationen in den verschiedenen Datensammlungen noch ungenutzt ist. Es bestehen bereits Methoden, um daraus individuelle Profile herzustellen. Diese Analysemethoden bilden ein hervorragendes Instrument für das Marketing. Darüber hinaus kann mit solchen Analysemethoden auch die Idee des gläsernen Bürgers verwirklicht werden.

Diese Entwicklung in der elektronischen Kommunikation darf nicht dazu führen, dass die Persönlichkeitsrechte der Bürger zurückgestellt werden. Deshalb muss der Datenschutz schon bei der Konzeption von Informationssystemen als Baustein eingebaut werden. Der Systemdatenschutz ist auszubauen, um den datenschutzrechtlichen Problemen der weitweiten Vernetzung von Datensammlungen entgegenzuwirken. Die Systeme sind deshalb einerseits technisch und organisatorisch datensparend auszugestalten, andererseits sollten sie den Betroffenen ermöglichen, ihre Ansprüche effektiv geltend zu machen.
Datenschutz muss aber vielmehr auch auf technischen Selbstschutz (z.B. Verschlüsselungstechniken) gegenüber unerlaubtem Datenumgang bauen. Auf diese Weise lassen sich die Risiken der elektronischen Kommunikation durch die Bürger teilweise selbst steuern.
Zudem müssen künftig vermehrt Datenschutzregelungen in Selbstregulierungsmodelle eingebaut werden (z.B. Verhaltensregeln von Verbänden). Daneben ist bei grenzüberschreitenden Datenübermittlungen - abgesehen von nationalen Regelungen - vor allem durch internationale Regelungen der Schutz der Privatsphäre zu verbessern.

Um den Risiken der elektronischen Kommunikation effektiv entgegen zu treten, müssen flankierende Massnahmen zur Verbesserung des Schutzes der Privatsphäre ergriffen werden, wie die aktive Förderung der Verschlüsselungsverfahren durch Privatpersonen und Unternehmen, die Erbringung von Serviceleistungen, die den Gebrauch von effektiven Verschlüsselungsprogrammen für jedermann erleichtern, die Förderung von Projekten, die die Anonymität im Internet ermöglichen.

Für die Akzeptanz der elektronischen Kommunikation und der neuen Technologien wird die Sicherstellung der Privatsphäre des Einzelnen von entscheidender Bedeutung sein. In absehbarer Zukunft werden Produkte und Dienstleistrungen, die mit möglichst wenig Personendaten auskommen, anderen vorgezogen, die umfangreiche Datenspuren hinterlassen.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte
Odilo Guntern

[Juli 2000]

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