Guichet virtuel

Trotz aller Unbestimmtheit der Bezeichnung e-Government können darunter die Transformationsprojekte in der Verwaltung zusammengefasst werden, deren Umsetzung einen signifikanten Informatikanteil beinhaltet. Auf Bundesebene sind aufgrund ihrer Sichtbarkeit insbesondere das Projekt des virtuellen Amtsschalters (Guichet Virtuel) sowie die Bestrebungen in Richtung elektronischer Stimmabgabe (Vote électronique) zu nennen. Beide verfolgen hochgesteckte Ziele und sind aus der Optik des Datenschutzes von Bedeutung.

Gemäss eGovernment Strategie des Bundes ist "Guichet Virtuel" eines der strategischen Leitprojekte. Sein Inhalt ist das "Schaffen eines nach Alltagsproblemen der Bürgerinnen und Bürger gegliederten Zugangs zu den Behörden". Schon aus dieser Beschreibung geht hervor, dass Zweck und Grenzen des Projekts zwar sehr umfassend, aber auch ausserordentlich unscharf definiert sind. Für eine echte Beurteilung aus Optik des Datenschutzes ist es jedoch zentral zu wissen, welches denn schlussendlich die Geschäfte sind, die über den virtuellen Amtsschalter abgewickelt werden. Erst aufgrund dieser Angaben kann auch beurteilt werden, welche Informationen zu diesem Zwecke über den Amtsschalter fliessen sollen bzw. dürfen und erst dann können für die verschiedenen Geschäftsfälle die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen zugeordnet und umgesetzt werden.

Soweit wir den Prototyp begleitet haben, wies er noch keine wirkliche Funktionalität auf, welche aus Datenschutzsicht hätte beurteilt werden können. Für die Jahre ab 2002 ist gemäss eGovernment Strategie des Bundes der "Aufbau eines Kommunikations- und Transaktionsportals" geplant. Für verschiedene Kategorien von Kommunikation und für jede Art von Transaktionen werden sich Sicherheitsfragen organisatorischer und technischer Natur stellen, welche in verschiedenen Bereichen der Datensicherheit angesiedelt sind. Zu erwähnen sind hier insbesondere die Wahl und Ausgestaltung der für Identifikation und Authentifikation einzusetzenden Verfahren sowie diejenigen zum Schutz der Vertraulichkeit, sei es der Teilnehmer oder bloss des Kommunikationsinhaltes. Weiter ist für die verschiedenen Geschäftsfälle jeweils zu fragen, welcher Grad an Verbindlichkeit und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten ist. Und schliesslich dürfte in vielen Fällen nicht trivial sein, Berechtigungen (Autorisierungen), die in der nicht virtuellen Welt als selbstverständlich erscheinen, korrekt in den mit dem Guichet Virtuel zusammenwirkenden Systemen zu implementieren. Sobald mit der Einführung von virtuellen Transaktionen schliesslich Kompetenzen geändert werden, stellen sich Fragen, die weit über die Technik hinaus gehen.

[Juli 2002]

https://www.edoeb.admin.ch/content/edoeb/de/home/dokumentation/taetigkeitsberichte/aeltere-berichte/9--taetigkeitsbericht-2001-2002/guichet-virtuel.html