Vorwort

Die vernetzte Informationsgesellschaft und die Nutzung des Internets haben das Risiko für die Privatsphäre steigen lassen. Es liegt den neuen Technologien zu Grunde, wie auch viele Umfragen und Studien zeigen, dass Personendaten unkontrolliert von Dritten missbraucht werden können.

Die gegenwärtigen Rechtsvorschriften und die freiwillige Selbstregulierung reichen heute bei Weitem nicht aus, um bei jeder Übertragung von Personendaten einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten. Die aktuelle Konzeption des Datenschutzes nur mit starren rechtlichen Bestimmungen zu agieren, ist keine Antwort für ein sich dynamisch entwickelndes Umfeld der globalen Informationsgesellschaft. Deshalb ist es an der Zeit, technische Lösungsansätze für den Schutz der Privatsphäre in der globalen Informationsgesellschaft anzustreben. Dafür ist es jedoch notwendig, dass Multimediadienste konsequent und systematisch datenschutzrechtliche Anforderungen durch datenschutzintegrierende Systemlösungen technisch umsetzen.

Die Technologie, die dafür sorgt, dass Personendaten gespeichert, genutzt und weitergegeben werden, soll auch für den Schutz der Privatsphäre des Bürgers genutzt werden. Dafür müssen technische Verfahren eingesetzt werden, die das Prinzip der Datensparsamkeit umsetzen, die Verwendung von Anonymisierungs- und Pseudonymisierungsverfahren ermöglichen, die Einwilligung des Benutzers zur Erhebung und Nutzung seiner Daten elektronisch verlangen und die Ausübung des Auskunftsrechts elektronisch ermöglichen.

Überdies können Gütesiegel, welche gemeinsame Prüfungs- und Bewertungskriterien von Informationssystemen definieren, zum Schutz der Privatsphäre beitragen. Dafür ist jedoch eine Diskussion auf internationaler Ebene erforderlich, um einen grenzüberschreitenden und gesamteuropäischen Kriterienrahmen zu schaffen. Gütesiegel mit einer objektiven Umsetzung von datenschutzrechtlichen Anforderungen, verbunden mit einer technisch normierten Zertifizierung können einen wesentlichen Baustein zur technologischen Konkretisierung des Datenschutzes auf nationaler und internationaler Ebene bilden.

Damit aber der technologische Ansatz der Umsetzung des Datenschutzes erfolgreich sein kann, muss er von allen im Datenbearbeitungsprozess beteiligten Akteuren (Benutzer, Unternehmen, Staat) akzeptiert werden, praxistauglich sein, den Schutz der Privatsphäre verbessern und marktwirtschaftlich tragbar sein.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte
Odilo Guntern

[Juli 2001]

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