datum 02/2009

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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser

Der Vorfall vom 21. Mai dieses Jahres hat schweizweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Drei Jugendliche verprügeln in der Unterführung des Bahnhofs Kreuzlingen grundlos und mit sichtbarer Freude zwei Passanten, gefilmt von einer Überwachungskamera der SBB. Die Polizei sucht vergeblich nach Zeugen; erst als sie das Video veröffentlicht, können die Täter geschnappt werden. Die erfolgreiche Internetfahndung rief Politiker auf den Plan, um bei Rasern und anderen Tätergruppen die Einführung des Internetprangers zu fordern. Was aus datenschutzrechtlicher Perspektive an dieser Forderung heikel ist und wieso die Online-Fahndung in gewissen Fällen trotzdem angebracht sein kann, lesen Sie im ersten Artikel.

Einen wichtigen Entscheid in Sachen Öffentlichkeitsgesetz fällte vor kurzem das Bundesverwaltungsgericht. Führungs- und Controllingdokumente sollten der Öffentlichkeit grundsätzlich einsehbar sein, forderten die Richter und gaben damit einem Journalisten Recht, der die Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV um Einblick in solche Dokumente gebeten hatte. Mehr dazu erfahren Sie unter der Rubrik „In eigener Sache", in der auch über den richtigen Umgang mit Pensionskassenausweisen berichtet wird.

Die weiteren Artikel dieses Newsletters drehen sich um Online-Zahlungen, elektronische Bewerbungen und die Gefahren, die von USB-Sticks ausgehen können.

Eine angenehme Lektüre wünscht Ihnen

Francis Meier

Redaktionsverantwortlicher

Themen

Internetfahndung: Die Verlockung des schnellen Erfolges

Wiederholt ist die öffentliche Sicherheit in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten. Randalierende Stadionbesucher, brutal zuschlagende Jugendliche oder leichtsinnige Raser schreckten mit ihren Taten die Öffentlichkeit auf und lösten damit vielerorts politische Debatten aus. Als erfolgreiches Instrument zur Ermittlung der Täter erwies sich zum Teil die Fahndung per Internet. Dabei stellt sich die Frage, welche Rolle der Datenschutz in solchen Fällen spielen soll, und welche Grenzen er den Fahndern setzen muss.

Der Vorfall in Kreuzlingen vom 21. Mai sorgte schweizweit für Aufsehen. Drei halbwüchsige Knaben begegnen nachts im Bahnhof auf dem Weg zum Bahnsteig einem Altersgenossen. Sie traktieren diesen und seinen herbeieilenden Kollegen scheinbar grundlos mit Tritten und Faustschlägen. Rekonstruieren liess sich diese Szene dank einer im Bahnhof installierten Überwachungskamera. Die Thurgauer Polizei entschied nach einem erfolglosen Zeugenaufruf, die Aufnahmen zu Fahndungszwecken online zu schalten, und rief die Bevölkerung auf, Hinweise zur Identität der mutmasslichen Täter zu liefern. Aufgrund der darauf zahlreich eingegangenen Meldungen konnten sie schliesslich verhaftet werden.

Ein ähnlicher Erfolg konnte in Bern und in Luzern bei der Fahndung nach Hooligans verbucht werden. Im Anschluss an Fussballspiele hatten sich diese an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und gegnerischen Anhängern beteiligt. Die Polizei stellte die Bilder der Randalierer auf ihre Webseite und rief die Bevölkerung auf, Hinweise, welche zur Identifizierung der straffälligen Personen führen, mitzuteilen. Wie im Fall Kreuzlingen wurden die Fotos auch in den Medien verbreitet und erreichten so ein grosses Publikum.

Eine Frage des Masses

Wie steht es in diesen Fällen mit dem Datenschutz? Inwieweit dürfen Bilder von Personen ohne deren Einwilligung verbreitet werden? Ab wann ist das öffentliche Interesse auf Bekanntgabe solcher Personendaten so gross, dass dieses gegenüber dem Recht des Einzelnen auf Schutz seiner Privatsphäre überwiegt? Das Datenschutzgesetz verlangt, dass Personendaten rechtmässig, verhältnismässig und nach Treu und Glauben bearbeitet werden. Diese Prinzipien gelten auch für Untersuchungsbehörden. Da die Internetfahndung einen starken Eingriff in die Privatsphäre der betroffenen Personen darstellt, müssen zuerst herkömmliche und datenschutzrechtlich unbedenklichere Mittel zur Feststellung der Identität möglicher Täter eingesetzt werden.

So sind z.B. zur Bekämpfung der Gewalt in und um Stadien bereits Krawallmacher in der nationalen Hooligan-Datenbank Hoogan erfasst. Die Untersuchungsbehörden können zu Fahndungszwecken auf diese Datenbank zugreifen. Sind diese milderen Mittel ausgeschöpft, kann die Internetfahndung in Erwägung gezogen werden. Man muss die Schuldfrage dabei genau prüfen, um zu verhindern, dass Unschuldige ins Visier der Internetgemeinde geraten. In den oben geschilderten Fällen hatte die Polizei zunächst herkömmlich ermittelt. Erst nach der Online-Publikation der Fotos und Videos aber konnte man die Identität der mutmasslichen Krawallmacher feststellen.

Das Langzeitgedächtnis des Internets

Um Bildmaterial von gesuchten Personen zu veröffentlichen, zumal in einem so grenzenlosen Medium wie dem Internet, braucht es einen triftigen Rechtfertigungsgrund für die Verletzung der Privatsphäre. Bei strafrechtlich schwerwiegenden Fällen wie massiver Körperverletzung oder deren Inkaufnahme, z.B. durch das Werfen von Fackeln in einen Fansektor, überwiegt das öffentliche Interesse auf Strafverfolgung möglicher Täter gegenüber deren Recht auf Schutz der Privatsphäre.

Was die Ermittler freut, bereitet Datenschützern Sorgen: Angespornt durch die neuesten Erfolge und aufgrund des öffentlichen und medialen Drucks, künftig in ähnlich gelagerten Fällen zu diesem erfolgsversprechenden Mittel zu greifen, dürfte die Bereitschaft der Untersuchungsbehörden zunehmen, möglichst früh die Publikation von Überwachungsvideos oder Fotos zu Fahndungszwecken einzusetzen. Für betroffene Personen und deren Familie kann dies gravierende berufliche und gesellschaftliche Konsequenzen, für eine unverhältnismässig lange Zeit nach sich ziehen. Da im World Wide Web vorhandene Inhalte nach Belieben vervielfältigt und bearbeitet werden, sind die Fahndungsbilder aller Wahrscheinlichkeit nach dauerhaft auffindbar. Da nützt es wenig, wenn die Behörden die Bilder oder Videos nach der Identifikation der Täter wieder von der Webseite entfernen.

Raser an den Pranger?

Nicht lange nach den erwähnten Fahndungserfolgen ertönten Rufe aus der Politik nach einer weiterreichenden Verwendung des Internets, namentlich als Pranger für gewisse Tätergruppen. So forderte eine parlamentarische Initiative, dass die Fotos von notorischen Rasern publiziert werden sollten. Die Initianten sind der Ansicht, dass die bestehenden Strafen zu wenig abschreckend wirken. Den Eingriff in die Privatsphäre der betroffenen Personen sehen sie durch das Interesse der Öffentlichkeit auf grössere Verkehrssicherheit gerechtfertigt. Aus Datenschutz-Perspektive sind diese Argumente kaum stichhaltig.

Unbestrittenermassen gefährden Schläger, Raser oder Hooligans die öffentliche Sicherheit, und es braucht wirkungsvolle Massnahmen, um gegen sie vorzugehen. Es ist jedoch äusserst zweifelhaft, ob sich Personen, die in ihrem Freundeskreis mit ihren Taten prahlen, nicht selten auch im Internet, durch einen offiziellen Internetpranger tatsächlich abschrecken liessen. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass die Veröffentlichung ihrer Namen zu einem Wettstreit um grösstmögliche Publizität bzw. bestmögliche Rangierung auf einer solchen Liste führen könnte. Daher argumentierte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür in den Medien: „Wirksam wäre, wenn man Rasern das Auto definitiv und den Führerausweis sehr lange wegnähme und auch Dritte bestrafen würde, wenn sie einem Raser ein Fahrzeug zur Verfügung stellen."

Das Internet bietet bei der Ermittlung von Straftätern viel versprechende Möglichkeiten, doch muss bei allem Eifer das Mass gewahrt bleiben. Fahndungserfolge könnten dazu verleiten, künftig auch bei weniger schwerwiegenden Taten die Internetfahndung einzusetzen. Das wäre unverhältnismässig.

Quellen:

  • Freipass vom Datenschutz. Thurgauer Zeitung 30.5.09.
  • Foto-Veröffentlichung umstritten. Aargauer Zeitung 25.5.09.
  • Hooligan-Fahndung: Luzern als Vorbild; Entlarvt die Chaoten. Tages-Anzeiger 28.5.09.
  • Die Renaissance des Prangers könnte zum Bumerang werden. Südostschweiz 11.6.09.
  • Pranger für Raser ungeeignet. Aargauer Zeitung 11.6.09.
  • Fahndung im Internet läuft an. Der Bund 30.5.09.
  • Schneller Einsatz des Internet-Prangers. NZZ 30.5.09.

 

Themen

Chatbetreiber dürfen Gespräche bei Verdacht auf Pädophilie aufzeichnen

Betreiber von Chatdiensten dürfen zur Abschreckung von Pädophilen und zur Verfolgung von Straftaten Chatgespräche aufzeichnen, allerdings nur, wenn ein begründeter Verdacht vorliegt und die User darüber vorgängig informiert sind. Die gespeicherten Daten müssen nach Zweckerfüllung gelöscht werden.

Liegen dem Betreiber eines Chatdienstes Verdachtsmomente vor, dass über diesen Straftaten begangen werden, so wäre das Aufzeichnen (Loggen) der Daten im Hinblick auf eine Anzeige im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Das systematische Aufzeichnen von Chatgesprächen (Vorratsdatenspeicherung) ist hingegen nur erlaubt, wenn eine richterliche Anordnung besteht. Der Chatraum-Betreiber darf eine Software einsetzen, welche mögliche pädophile Aktivitäten erkennt (beispielsweise durch Abgleichen der Usertexte mit vorher hinterlegten Stichworten) und das elektronische Gespräch daraufhin aufzeichnet (logging). Die Logfiles des Gesprächs darf der Betreiber im Rahmen eines Strafverfahrens den Untersuchungsbehörden zeigen. Er muss die User vor der Nutzung des Chats durch einen entsprechenden Vermerk auf den Einsatz einer solchen Software hinweisen.

Bei der Aufbewahrung der Logfiles muss das Verhältnismässigkeitsprinzip beachtet werden. Daten darf der Betreiber nur so lange speichern, wie es der bei der Erhebung angegebene Zweck erfordert. Im Falle einer Strafanzeige hat er die Daten unmittelbar nach deren Übergabe an die Untersuchungsbehörden zu löschen. Wird keine Strafanzeige erstattet, muss er die aufgezeichneten Gespräche in der Regel innerhalb von 24 Stunden überprüfen und löschen.

Aus der Presse

Die Tücken des E-Payments

In regelmässigen Abständen wird in den Medien vor Gefahren beim E-Banking und E-Payment gewarnt. Tatsächlich geschieht es immer wieder, dass Unbefugte auf die Konten Fremder zugreifen oder Zahlungen umleiten. Ausgeklügelte Strategien zum einen, Unwissenheit und Leichtsinn von Konsumenten zum anderen, werden von Experten als Hauptursachen für diese Betrügereien angeführt. Wer aber einige grundsätzliche Regeln beachtet, sollte bei Online-Zahlungen auf der sicheren Seite sein.

Zuweilen gelingt es den Behörden, E-Payment-Betrüger dingfest zu machen. So konnten 2008 in Russland und der Ukraine drei Informatikstudenten geschnappt werden, die rund 150'000 Franken von fremden Konten entwendet hatten. Das eingesetzte Verfahren läuft oft folgendermassen ab: Herr Muster wird von einer Tarnfirma per Email dazu eingeladen, ein kostenloses Virenschutzprogramm herunterzuladen. Klickt er dann auf den darin enthaltenen Link, wird er aufgefordert eine bestimmte Datei zu extrahieren, welche einen Schadcode enthält. Wenn Herr Muster nun das nächste Mal einen Online-Zahlungsdienst wie Abbey, Halifax oder Paypal nutzen will, lenkt der Schadcode den Internetbrowser auf eine gefälschte, äusserlich aber täuschend echte Seite. Die dort vom Nutzer eingegebenen Passwörter, Sicherheitscodes und andere vertrauliche Daten können von den Betreibern dieses Scheindienstes gespeichert und missbraucht werden.

Wie man sich vor Betrügern schützen kann

Alle jene, die den elektronischen Zahlungsweg schätzen und nicht auf dessen Vorzüge verzichten wollen, sollten folgende Sicherheitsregel beherzigen:

•-          Stellen Sie sicher, dass Ihr Computer mit einer aktuellen Antivirus- oder einer Internetsicherheitssoftware ausgestattet ist. Surfen Sie nur mit einer aktivierten Firewall und aktualisieren Sie Ihren Browser (z.B. Internet Explorer, Mozilla Firefox) regelmässig.

•-          Gehen Sie behutsam mit Passwörtern um und prüfen Sie die Internetangebote zuerst auf Ihre Glaub- und Vertrauenswürdigkeit, bevor Sie persönliche Daten preisgeben. Hüten Sie sich davor, sich über per Email erhaltenene Links bei einem Finanzinstitut anzumelden. Es handelt sich dabei um so genannte Phishing-Webseiten, über die Betrüger Ihre Anmeldeinformationen ausspionieren, um sich damit beim Webserver Ihres Finanzinstituts anmelden. Wählen Sie deshalb die Seite des Dienstleisters entweder über ihre Lesezeichen an oder geben Sie die Adresse von Hand in die Adresszeile des Browsers ein.

•-          Kontrollieren Sie nach jeder Transaktion, ob der Betrag und die Kontonummer stimmen. Über bestimmte Malwares (bösartige Programme, die sich auf der Festplatte des Computers befinden können), ist es Betrügern möglich, in Echtzeit und vom Nutzer unbemerkt Transaktionsdaten wie den Zahlungsempfänger und die Betragshöhe zu manipulieren. Falls Sie beim Überprüfen Ihrer Transaktionen eine solche Manipulation feststellen, sollten Sie dies unverzüglich Ihrem Finanzinstitut melden.

Ausführliche Auskünfte und Ratschläge bieten z.B. die Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI oder die von verschiedenen Schweizer Finanzinstituten lancierte Plattform „E-Banking aber sicher".

Quellen und weitere Informationen:

Kurz beleuchtet

Gefahrenherd USB-Stick

Experten warnen vor den Gefahren, die von USB-Sticks und anderen mobilen Datenspeichern ausgehen. Sie können Viren übertragen und bei Verlust die Sicherheit von Personendaten gefährden. Um dies zu verhindern, genügt es meist, ein paar einfache Regeln zu befolgen.

Laut Medienberichten sind in den letzten Monaten zahlreiche Organisationen über portable Speichermedien mit Schadprogrammen infiziert worden, so im vergangenen Jahr auch die US-Armee, welche daraufhin allen Angehörigen der Streitkräfte die Nutzung externer Datenträger untersagte. Gemäss einer amerikanischen Studie hat der Anteil der Virenübertragungen mittels USB-Stick rasant zugenommen, von 32 Prozent im Jahr 2007 auf 65 Prozent im Folgejahr. Zur Übertragung der Viren reicht es aus, den Datenträger in den Computer anzuschliessen, und schon kann sich die Malware auf der Festplatte einnisten.

Dabei liessen sich die eigenen Daten relativ einfach vor Angriffen schützen, die von USB-Sticks ausgelöst werden, wie die Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melanie) schreibt. Zunächst sollte die Autorun-Funktion für USB-Keys auf dem Computer deaktiviert sein, um zu verhindern, dass Daten ungefragt transferiert werden. Dann empfiehlt es sich, wie bei der Festplatte auch, den Stick regelmässig auf Viren zu überprüfen. Weiter ist für den Fall des Verlusts des Datenträgers zu verhindern, dass vertrauliche Informationen in falsche Hände geraten. Dazu genügt es, die Daten mit einer entsprechenden Anwendung zu verschlüsseln.

Quellen und weitere Informationen:

Tipps

Was man bei Online-Bewerbungen beachten sollte

Mit dem Einzug des Internets hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Dies gilt auch für den Bewerbungsprozess. Viele Stelleninteressenten bewerben sich heute online auf Jobangebote. Dieser Weg ist zwar bequem, doch birgt er auch gewisse Risiken bezüglich des Datenschutzes.

Die Online-Bewerbung hat sowohl für den Kandidaten als auch für die Unternehmen Vorteile: So lassen sich durch den elektronischen Versand in Zeiten der Standleitungen auf beiden Seiten der Materialaufwand reduzieren und dadurch die Kosten senken. Durch den Wegfall des Postversands lässt sich zudem auch Zeit einsparen. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen die Stellenbewerber mittlerweile auffordern, ihre Bewerbungsunterlagen in elektronischer Form zuzustellen. Gemäss einer in der Computerzeitschrift PC-Tipp publizierten Studie nimmt nahezu die Hälfte der Personalabteilungen (46,4 Prozent) Lebensläufe, Zeugnisse und Motivationsschreiben ausschliesslich per E-Mail entgegen. Jede achte Abteilung fordert die Interessenten auf, sich über ein Onlineformular zu bewerben.

Bewerbungsunterlagen enthalten jedoch eine Bandbreite an Personendaten, die über den beruflichen Werdegang hinausgehen und Aufschluss über die Persönlichkeit, die Familienverhältnisse und Verhaltensmuster liefern können. Nach solchen Informationen besteht eine grosse Nachfrage. Um einem Datenmissbrauch vorzubeugen sollte man sicherstellen, dass nur Befugte Zugang zu den Unterlagen erhalten. Prüfen Sie z.B. vor dem Versand die Seriosität des Inserats und wählen Sie beim E-Mail-Versand einen angemessenen Verschlüsselungsmodus (FAQ zur Kryptographie - Verlinkung). Es ist zudem ratsam, auf die Mitteilung sensibler Daten weitgehend zu verzichten (z.B. Informationen zur politischen Gesinnung, dem Gesundheitszustand oder der sexuellen Orientierung).

Die eingegangen Bewerbungen hat der Arbeitgeber vertraulich zu behandeln. Nur die mit der Rekrutierung beauftragten Personen dürfen darauf zugreifen. Auch dürfen die Daten nur dazu verwendet werden, abzuklären, welche der Kandidaten zur Ausübung der Tätigkeit geeignet wären. Für eine andere Verwendung der Daten ist die explizite Zustimmung der betroffenen Personen erforderlich. Ist das Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter fündig geworden, hat es die Daten der Bewerber grundsätzlich zu vernichten, ausser wenn letztere in die Aufbewahrung ihrer Unterlagen (für künftige Kandidaturen) einwilligen.

Quelle:

Digitale Bewerbungen überwiegen. PC-Tipp vom 18.6.2009

In eigener Sache

Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts: Cockpits und Amtsreportings sind öffentlich zugänglich

Das Bundesverwaltungsgericht hält in einem neuen Urteil fest, dass die "Cockpits" und "Amtsreportings" genannten Führungs- und Controllingdokumente der Bundesverwaltung nicht generell der Öffentlichkeit entzogen werden dürfen. Es stützt damit eine Empfehlung des EDÖB, der vorgängig zum gleichen Schluss gekommen war.

Ein Journalist beantragte bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV Zugang zu den „Cockpits" und den „Amtsreportings". Sie verweigerte ihm den Zugang mit dem Argument, die besagten Berichte erfüllten eine Controlling-, Steuerungs- und Leitungsfunktion und seien daher zum persönlichen Gebrauch des Direktors bestimmt. In der Folge verlangte der Journalist vom EDÖB die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens. Dabei kam der EDÖB zum Schluss, dass auch Controlling- und Führungsdokumente der Geschäftsleitung einer Bundesbehörde dem Öffentlichkeitsprinzip unterliegen und demnach grundsätzlich zugänglich sind. Er empfahl daher der ESTV, dem Journalisten eine Auflistung aller Berichte mit den Bezeichnungen „Cockpits" und „Amtsreporting" aus den Jahren 2006 - 2008 zuzustellen, damit dieser sein Zugangsgesuch präzisieren kann.

Die ESTV war mit der Empfehlung des EDÖB nicht einverstanden und erliess eine Verfügung. Dagegen führte der Journalist Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Das Gericht kam zum Schluss, dass der Zugang zu den Cockpits nach der Anonymisierung der Personendaten und der Abdeckung der Informationen aufgrund von Ausnahmebestimmungen des Öffentlichkeitsgesetzes und unter Wahrung des Steuergeheimnisses in geeigneter Form zu gewährleisten sei. Davon ausgenommen seien Reportings auf Stufe Amt (jeweils April und Oktober) und diejenigen der Abteilung für Internationales.

Quellen:

Empfehlung vom 3. April 2009: ESTV / Cockpits und Amtsreportings

In eigener Sache

EDÖB kritisiert indirekte Zustellungspraxis bei Pensionskassenausweisen

Einrichtungen der beruflichen Vorsorge sollten aus datenschutzrechtlichen Gründen den Versicherten die persönlichen Pensionskassenausweise direkt und nicht über den Arbeitgeber zustellen. Im Fall einer Einrichtung, welche die Ausweise der Angestellten an die Unternehmen sendete, hat der EDÖB deshalb interveniert und sie per Empfehlung aufgefordert, diese indirekte Zustellungspraxis einzustellen. Die betroffene Pensionskasse lehnte die Empfehlung ab, weshalb nun das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) entscheiden muss.

Die Pensionskasse hat die persönlichen Ausweise ihrer Versicherten an die Arbeitgeber gesendet, die sie dann an die Mitarbeitenden weiterleitete. Dabei konnte der Vorgesetzte Einblick in die im Ausweis enthaltenen Angaben erhalten, welche für seine Aufgabenerfüllung nicht relevant sind. Der EDÖB ist der Meinung, dass dieses Vorgehen widerrechtlich ist. Da es keine gesetzliche Bestimmung gibt, welche die Bekanntgabe vom Inhalt des Pensionskassenausweises an den Arbeitgeber ausdrücklich regelt, wird das Legalitätsprinzip verletzt. Die Einrichtung kann folglich keinen Rechfertigungsgrund für die Bekanntgabe von Daten des Arbeitnehmers an dessen Arbeitgeber anführen.

Ausserdem könnte die Einrichtung technische und organisatorische Massnahmen treffen, die gewährleisten, dass die Pensionskassenausweise den versicherten Personen ohne unbefugte Bekanntgabe von Personendaten an Dritte zugestellt werden. Die Verantwortung für die datenschutzrechtlich korrekte Zustellung der Ausweise darf nicht auf die Arbeitgeber abgewälzt werden. Es gibt einige grosse Vorsorgeeinrichtungen, welche die Pensionskassenausweise der bei ihr versicherten Arbeitnehmer direkt und vertraulich zustellen.

Da die Einrichtung auch nach mehrfachem Schriftwechsel nicht bereit war, dieses rein organisatorische Zustellungsproblem datenschutzkonform zu lösen, hat der EDÖB eine Empfehlung erlassen. Darin wird die Vorsorgeeinrichtung aufgefordert, die von ihr praktizierte indirekte Zustellung der Pensionskassenausweise via die Arbeitgeber unverzüglich einzustellen. Auch soll sie dafür sorgen, dass die Ausweise direkt und ausschliesslich an die versicherten Personen/Arbeitnehmer übermittelt werden. Nachdem die Einrichtung die Empfehlung ablehnte, hat der EDÖB beim Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) einen Antrag auf Entscheid in dieser Angelegenheit eingereicht. Dieser kann an das Bundesverwaltungsgericht weiter gezogen werden.

Agenda 2010

28. Januar

 4. Europäischer Datenschutztag
 März  datum 1/2010

«datum» ist eine Publikation des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten und erscheint zweimal jährlich.

Beiträge aus dem «datum» dürfen mit Quellenangabe kopiert bzw. weiterverwendet werden.

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