Bekanntgabe von Personendaten an Dritte durch Vereine und Veranstalter von Sportanlässen

Vereine oder Veranstalter eines Anlasses können die Adressen ihrer Mitglieder oder der Teilnehmer nicht ohne weiteres ihren Sponsoren oder anderen Dritten bekannt geben. Eine Bekanntgabe von Personendaten zu Marketingzwecken kann nur durch die freiwillige Einwilligung nach angemessener Information der betroffenen Personen gerechtfertigt werden. Wir haben die Verantwortlichen auf die gesetzlichen Voraussetzungen einer Datenbearbeitung aufmerksam gemacht und ihnen empfohlen, ihre Statuten und Reglemente entsprechend anzupassen.

In diesem Jahr sind zahlreiche Beschwerden von Vereinsmitgliedern sowie Teilnehmern von Sportanlässen betreffend die Bekanntgabe ihrer Adressen zu Marketingzwecken an Dritte (Sponsoren, Krankenkassen) bei uns eingegangen. Die betroffenen Personen wurden nicht - oder nur ungenügend - informiert und hatten nicht die Möglichkeit, sich einer solchen Bekanntgabe zu widersetzen. Im Anschluss an gewisse zu diesem Thema erschienene Presseartikel erhielten wir überdies zahlreiche Fragen von Vereinen oder Veranstaltern von Sportanlässen. Wir haben die betroffenen Personen und die Verantwortlichen über die gesetzliche Situation in diesem Bereich sowie über ihre Rechte beziehungsweise ihre Pflichten informiert.

Die Verwendung der Personendaten von Vereinsmitgliedern oder Teilnehmern an einer Sportveranstaltung untersteht dem Gesetz über den Datenschutz. Eine Bearbeitung von Personendaten muss auf einem Rechtfertigungsgrund beruhen und den allgemeinen Prinzipien des DSG genügen. Insbesondere müssen die Bekanntgabe der Daten und ihre Zweckbestimmung für die betroffenen Personen erkennbar sein. Die Bekanntgabe darf zudem nicht gegen ihren ausdrücklichen Willen und ohne Rechtfertigungsgrund erfolgen. Die Personendaten dürfen nur zu dem Zweck bearbeitet werden, der bei ihrer Erhebung angegeben wird, in einem Gesetz vorgesehen ist oder aus den Umständen hervorgeht.

Was die Bearbeitung der Daten von Teilnehmern einer Sportveranstaltung anbelangt, können Personen, die sich für einen Sportanlass anmelden, in der Regel damit rechnen, dass die im Rahmen der Anmeldung übermittelten Daten zu Zwecken verwendet werden, die unmittelbar mit dem ordentlichen Ablauf der Veranstaltung zusammenhängen. Zu diesen Zwecken zählen die Zusendung von Informationen über die Organisation des Wettlaufs, die Zuteilung einer Startnummer, die Zeitmessung, das Klassement usw. Die Datenbearbeitung lässt sich in diesem Fall ohne weiteres aus den Umständen ableiten und ist somit erkennbar; eine besondere Information in dieser Hinsicht ist demnach grundsätzlich nicht notwendig. Die Bearbeitung der Personendaten zu unmittelbar mit der Organisation des Wettlaufs verbundenen Zwecken ist grundsätzlich durch stillschweigendes Einverständnis der Teilnehmer gerechtfertigt.

Die Bekanntgabe von Personendaten an einen bestimmten Fotografen, an Sponsoren oder andere Dritte ergibt sich dagegen nicht aus den Umständen und erfordert somit eine spezifische Information. Allein die Einwilligung der betroffenen Personen kann eine Bekanntgabe von Daten an Dritte zu Marketingzwecken rechtfertigen. Das Einverständnis ist nur gültig, wenn der Betroffene seinen Willen frei und nach ordnungsgemässer Information zum Ausdruck bringt. Die betroffenen Personen müssen die Bekanntgabe ihrer Adressen an Dritte verweigern können.

Die betroffenen Personen sollten - spätestens bei der Anmeldung - über die Bekanntgabe ihrer Personendaten an Dritte, über deren Identität und über die Zweckbestimmung der Bekanntgabe (z.B. Werbung) informiert werden. Zudem ist ihnen die Möglichkeit zu geben, sich dieser Datenübermittlung zu widersetzen. Die Erwähnung einer Bekanntgabe an Dritte muss für die Betroffenen gut sichtbar sein. Eine blosse Anmerkung ganz am Ende des Teilnahmereglements und ohne Verweigerungsmöglichkeit entspricht nicht den Datenschutzprinzipien.

Wir haben den Veranstaltern von Sportanlässen empfohlen, auf dem Anmeldeformular zu der Veranstaltung ein Feld vorzusehen, das anzukreuzen ist und bedeutet: «Ja, ich bin mit der Bekanntgabe meiner Personendaten an die Sponsoren zu Marketingzwecken einverstanden», und im Veranstaltungsreglement genaue Angaben über die Identität der Sponsoren zu machen.

Bezüglich der Verwendung der Personendaten von Vereinsmitgliedern gilt: Das Verzeichnis der Adressen von Vereinsmitgliedern darf nur an Dritte zu Marketingzwecken weitergegeben werden, soweit diese Bekanntgabe erkennbar ist und die betroffenen Personen ihre Einwilligung gegeben oder sich nicht dagegen ausgesprochen haben.

In der Regel empfehlen wir den Vereinen, diese Art der Bekanntgabe in ihren Statuten, zum Zeitpunkt des Beitritts oder auch durch eine besondere Information zu kommunizieren. Die Betroffenen müssen ausserdem über ihre Möglichkeit, sich jederzeit einer derartigen Verwendung ihrer Personendaten zu Marketingzwecken zu widersetzen, informiert werden.

Detaillierte Informationen zu diesem Thema haben wir im «Merkblatt über den Umgang mit Mitgliederdaten in einem Verein» veröffentlicht. Dieses kann auf unserer Webseite www.derbeauftragte.ch unter Dokumentation - Datenschutz - Merkblätter abgerufen werden.

https://www.edoeb.admin.ch/content/edoeb/de/home/dokumentation/taetigkeitsberichte/aeltere-berichte/16--taetigkeitsbericht-2008-2009/bekanntgabe-von-personendaten-an-dritte-durch-vereine-und-verans.html