Anonym surfen im Internet?

Ist es heutzutage möglich, beim Surfen im Internet anonym zu bleiben? Cookies beispielsweise werden immer leistungsfähiger, wenn es darum geht, Web-Browser zu personalisieren. Doch auch ganz abgesehen von dieser Technologie ist zu bemerken, dass der benutzte Browser selbst einen Abdruck hinterlässt, der uns eindeutig identifiziert. Diese Feststellung konnten wir nach der Prüfung und Testanwendung des Algorithmus Panopticlick bestätigen.

Seit den Anfängen des Internet können wir mit Hilfe der Cookies bequemer surfen. Diese kleinen Dateien werden beim Besuch auf einer Website in unseren Computern abgelegt, speichern die Präferenzen des Nutzers (wie zum Beispiel die Sprache, in der eine Website angezeigt werden soll) und ermöglichen es so der Website, den Nutzer bei einem künftigen Besuch wieder zu «erkennen».

Über die Cookies-Technologie hinaus haben Forscher Folgendes festgestellt: Jeder Internet-Browser hinterlässt einen Abdruck, der einzigartig oder beinahe einzigartig ist. Somit braucht es keine Cookies mehr, um zu erkennen, welcher Computer sich mit einer Website verbunden hat; es genügt, die Spur des benutzten Browsers zu beobachten.

Wir haben den von Electronic Frontiers Foundation angebotenen Algorithmus Panopticlick geprüft und getestet (Panopticon ist ein Modellgefängnis, in dem die Wärter die Gefangenen unbemerkt beobachten können). Dieser Algorithmus betrachtet eine gewisse Anzahl Parameter bei der Eingabe und liefert ein Entropiemass, mit dem die Einzigartigkeit des getesteten Browsers bestimmt werden kann. Die Parameter sind zum Beispiel der «user agent», der Informationen über den Typ und die Version des Browsers, aber auch des verwendeten Betriebssystems liefert, die Liste der eingerichteten Plug-ins - wobei ein Plug-in eine kleine Software ist, die den Browser mit neuen Funktionalitäten wie etwa das Abspielen von Videos, die eingerichteten Schriftarten oder Informationen über den benutzten Bildschirm ergänzt. Tatsächlich werden sämtliche Informationen gesammelt, auf die man über den Browser zugreifen kann. Diese Informationen gelten aneinander gereiht als Identifikator (Abdruck) des Browsers. So bestimmt die mögliche Einzigartigkeit dieser Kennung die Eindeutigkeit des Browsers.

In der ersten Verbreitungsphase des Algorithmus wurden rund 400'000 solcher Identifikatoren gesammelt und anonymisiert. Jeder neue Abdruck wird mit dieser Sammlung abgeglichen, um festzustellen, ob er einem der bereits bekannten Abdrücke ähnlich ist. Ist dies der Fall, wird ermittelt, wie viele Abdrücke in einer Untergruppe enthalten sein müssen, um darin mit Sicherheit einen identischen Identifikator finden zu können.

Wir haben diesen Algorithmus mit den neuesten Versionen der bekanntesten Browser (Internet Explorer, Firefox, Chrome, Safari, Opera) unter verschiedenen Bedingungen getestet: unmittelbar nach der Einrichtung des Browsers, nach einer gewissen Surf-Dauer, in anonymem Modus und nach Zufügung gewisser Erweiterungen.

Abschliessend stellen wir Folgendes fest: Es muss tatsächlich eingeräumt werden, dass der Abdruck jedes Browsers einzigartig oder leicht identifizierbar ist. Es gibt indes Möglichkeiten, die Gefahren einer eindeutigen Identifikation etwas zu vermindern. So ist der anonyme Surf-Modus, der heute von sämtlichen Browsern angeboten wird (zumindest in ihrer neuesten Version) ein nützliches Tool. Gekoppelt mit gewissen Erweiterungen wie NoScript, die insbesondere vom Browser Firefox angeboten werden, ist er das beste Mittel zur Wahrung der Anonymität beim Surfen im Internet.

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